Hikikomori: Japans Jugend klinkt sich aus

Hikikomori: Japans Jugend klinkt sich aus

Hikikomori: Japans Jugend klinkt sich aus

Immer mehr Japaner klinken sich aus der Gesellschaft aus. Viele kommen Jahrzehnte nicht aus ihrem Zimmer. Warum bekommen Eltern, Staat und Fachleute das Problem nicht in den Griff?

Von einem Tag auf den anderen taten Kenjis Mitschüler so, als sei er Luft für sie. Den Siebtklässler grüßte niemand mehr auf der Straße, keiner spielte ihm beim Sport den Ball zu, im Gang vor den Klassenzimmer blickten alle durch ihn durch als sei er aus Glas oder rempelten ihn wortlos an. Irgendwann kam Kenji nicht mehr zur Schule, wurde Hikikomori und zog sich in sein Zimmer zurück – für die nächsten 20 Jahre. Kenji schloss tagsüber die Tür ab, verbrachte die Nächte mit Filmen, Manga und Videospielen.Auch Jun entschied sich für einen jahrelangen Totalausstieg, nachdem er durch eine Uni-Aufnahmeprüfung gerasselt war. Sich ein Jahr lang auf eine Nachprüfung vorzubereiten, die eigentlich nichts mit dem angestrebten Studienfach zu tun hatte, erschien im plötzlich paradox – und so kehrte er der japanischen Gesellschaft den Rücken.

Japans verlorene Millionen

Kenji und Jun sind zwei der Personen, deren Schicksal Michael Zeillinger in seiner Sozialstudie „Shutting out the sun – How Japan created its own lost generation“ analysiert. Und sie sind keine Einzelfälle. Die Beiden sind Hikikomori, so nennt man in Japan jemanden, der sich über sechs Monate komplett aus der Gesellschaft ausklinkt und in die eigenen vier Wände zurückzieht. Geschätzte eine Million junge Japanerinnen und Japaner zählen dazu, knapp ein Prozent der Bevölkerung. Zwei Drittel davon sind unter dreißig Jahren. Insgesamt 80 Prozent von ihnen sind männlich.

Die meisten wohnen noch bei ihren Eltern. Die Tür öffnen sie teils jahrzehntelang nur, um ab und an unter die Dusche zu gehen oder die Toilette zu benutzen. Das Essen stellen die Eltern vor der Tür ab. Nur wenige Hikikomori gehen nachts in den 24-Stunden-Supermarkt um etwas einzukaufen. Sprechen tun sie mit niemanden – auch nicht mit ihren Eltern, die mit der Situation ebenso überfordert sind wie der japanische Staat.

Psychisches oder doch soziales Problem?

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter Psychosen, Agoraphobie oder Formen von Autismus leiden. Mit solchen Erkrankungen zeigen die Verhaltensweisen der Hikikomori nur teilweise Übereinstimmungen. Die meisten von ihnen sind schüchtern und introvertiert, aber intelligent, kreativ und in den meisten Fällen aus einem „guten Elternhaus“.

Immer wieder jedoch schleifen verunsicherte Eltern ihre Aussteiger-Kinder zum Neurologen, der dann schnell eine handvoll Psychopharmaka verschreibt. Ändern tut sich dadurch allerdings nichts, denn das Hikikomori-Phänomen ist vielmehr eine soziale Störung. Eine Mischung aus Zukunftsangst, Auflehnung gegen das System der Eltern gegen die japanische überregulierte Gesellschaft und die tragische Schattenseite von Japans elitenfixiertem Bildungsystem.

Bildungsganggesellschaft: Quereinstieg unerwünscht

Die japanische Gesellschaft ist eine Bildungsganggesellschaft. Das bedeutet, dass nur derjenige Karriere in Top-Unternehmen machen kann, der auf einer guten Grund-, Mittel- Oberschule und Universität war. Jeder Schritt ist dabei entscheidend, wer bremst, verbaut sich die Zukunft. Quereinsteiger gibt es nach wie vor kaum. Das setzt japanische Jugendliche unter enormen Druck.

Neben dem Geldbeutel der Eltern entscheiden die wirklich knallharten Aufnahmeprüfungen, ob ein Kind den nächsten Bildungsabschnitt auf einer vielversprechenden Privatschule verbringen darf. In den Juku, so genannten Paukschulen, werden die Kinder nach dem regulären Unterricht und in den Ferien für den Prüfungsernstfall gedrillt.

Diesem gesellschaftlichen Druck, den vor allem die Mütter an ihre Kinder weitergeben, halten viele Jugendliche nicht stand. Die Selbstmordrate der unter 13-jährigen ist in Japan seit Jahrzehnten konstant auf einem hohen Niveau. In vielen Fällen entlädt sich der Druck aber auch durch extreme Gewalt und Mitschüler-Mobbing (Ijime). Viele Hikikomori geben Misshandlungen durch Mitschüler als Auslöser für ihren Rückzug an. Auch der Konflikt, die eigenen Gefühle immer hinter Verpflichtungen und einer Maske aus Verhaltensregeln zu verstecken, bringt Jugendliche dazu, sich aus der japanischen Gesellschaft zurückzuziehen. Solche Hikikomori erklären häufig, dass sie sich in ihrem Zimmer eingeschlossen haben, weil sie nur dort wirklich sie selbst sein konnten.

Hikikomori typisch japanisch?

Nachdem in Dr. Tamaki Saitos Tokioter Büro Mitte der 80er Jahre immer häufiger junge Leute oder deren Eltern auftauchten, die von den monatelangen Rückzügen berichteten, benannte der Professor für Psychologie das Phänomen als Hikikomori (in sich selbst zurückgezogen oder sinngemäß: akuter gesellschaftlicher Rückzug). Ähnliche Fälle gibt es in Taiwan oder Südkorea, vereinzelt auch in westlichen Staaten – aber nirgends in der Größenordnung wie in Japan.

Das liegt zum einen daran, dass Japaner auf Stress und Verzweiflung eher lethargisch und durch extrem introvertiertes Verhalten reagieren. Dass sich Hikikomori aber erst in den vergangenen 25 Jahren in Japan zu einem Massenphänomen entwickelt hat, ist ein Indiz dafür, dass der Auslöser aktuelle gesellschaftliche Probleme sind.

System der Eltern in der Sackgasse

Japan hat sich bei seiner Aufholjagd zu einer modernen Geselllschaft nach westlichem Vorbild fast ausschließlich auf die materielle Selbstverwirklichung konzentriert. Für persönliche Entfaltung blieb bei Schulstress, Paukschulen und gesellschaftlichen Verpflichtungen kaum Platz. Solange das Karriererezept der Älteren funktionierte, konnte die Jugend darauf vertrauen, dass dieser Weg zumindest beruflich erfolgversprechend ist. Die Einschätzung änderte sich aber mit der ausbleibenden Erholung von den beiden Finanzkrisen der vergangenen 20 Jahre, der steigenden Jugendarbeitslosigkeit trotz Top-Ausbildung, dem Ende der lebenslangen Beschäftigung und dem rapiden Zuwachs an Obdachlosen und Tagelöhnern, die kaum mehr vermittelt werden können.

Japans Jugend will heute mehr denn je die Schockstarre überwinden, in der die Gesellschaft seit dem Platzen der Spekulationsblase Anfang der 90er verharrt. Dafür werden auch alternative Pläne zur Lebensgestaltung und beruflichen Selbstverwirklichung geschmiedet (Beispiel: Teilzeitjobber Freeter/furita) – von denen wollen die älteren Generationen aber nichts wissen.

In den Hikikomori zeigt sich eine Form der daraus resultierenden jugendlichen Resignation. Viele Hikikomori schaffen erst über das Auswandern die Rückkehr in eine Gesellschaft. Ebenso machen es immer mehr japanische Akademiker, die nach der Uni keine Jobs finden. Mit Gelegenheitsarbeit halten sich diese sogenannten Sotokomori (sich nach außerhalb Zurückziehende) in Ländern wie Tailand und Indien über Wasser, statt sich zuhause für eine unverschuldet verpasste Karriere rechtfertigen zu müssen.

In Japan steht längst ein gesellschaftlicher Umbruch an. Das Phänomen Hikikomori zeigt, dass das gern zitierte Gleichnis vom herausstehenden Nagel, auf den solange eingehämmert wird, bis er sich einfügt oder abbricht, einfach nicht mehr auf eine moderne japanische Gesellschaft passt. Die Finanzkrise hat den Menschen bei ihrer Hetzjagd nach der Bilderbuchkarriere eine unfreiwillige Atempause verschafft und die Jugend entwickelt neue Wege der beruflichen Selbstverwirklichung und der persönlichen Lebensgestaltung. Die älteren Generationen müssen sich diesem Wunsch öffnen. Oder können weiterhin zusehen, wie „Japans verlorene Million“ (BBC) der Gesellschaft die Tür vor der Nase zusperrt.

Bildquelle Titelbild: „Hikikomori: Foto by Sphilbrick – commons.wikimedia.org zu finden unter https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hikikomori,_Hiasuki,_2004.jpg“

Hosts & Hostessen in den Fußstapfen der Geisha

Hosts & Hostessen in den Fußstapfen der Geisha

 Japan hat nach dem 2. Weltkrieg einen Turbo-Modernisierungssprung hingelegt. Davon ist kein noch so traditioneller Bereich verschont geblieben: Neben Sumo-Kämpfen füllen heute auch Baseball-Spiele die Sportarenen, in Tokio gibt es mehr McDonalds-Fillialen als Sushi-Restaurants und auch die Begleitdamen der schönen Künste – die Geisha – haben mit neuer Konkurrenz zu kämpfen.  Hosts und Hostessen haben sich auf die Wünsche einer modernen Gesellschaft spezialisiert, bieten sich als Zuhörer, Schwarm und Party-Freunde zugleich an.

 

Kein Call-Girl im Kimono

Scharf wie eine Rasierklinge ist der blutrote Mund in das weiße Porzellangesicht geschnitten, nachtschwarz glänzt das kunstvoll geschlungene Haar, das makelose Gesicht zeigt ein rituelles Lächeln.  (Reisejournalistin Hanna Glaser)

Passender kann man eine Geisha wohl kaum beschreiben. Seit über 300 Jahren versüßen sie Edelleuten und reichen Kaufmännern die Abende. Um das gleich vorweg zu nehmen: Sex gehörte nie zum Service der anmutigen Schönheiten. Sie sind eher eine Hostess, deren künstlerische Fähigkeiten – Musik, Tanz und Teezeremonie –  im Mittelpunkt des Abendprogramms stehen. Für Ausländer bleiben solche Treffen meist ein Wunschtraum – nicht zuletzt, weil Männer aus dem Westen sich nur selten die Mühe machen, zu verstehen, dass eine Geisha ein lebendes Kunstwerk ist – und eben kein Call-Girl im Kimono.

Dieses Schmuddel-Vorurteil hält sich übrigens deshalb so hartnäckig, weil einst die Oiran, Prostituierte der Edo-Zeit, und später die Geisha-Girls, Freudenmädchen der US-Besatzungstruppen, den Kleidungs- und Schminkstil jener japanischen Idealfrauen kopierten, um ihren Kunden etwas besonderes zu bieten.

Heute ein König: Ab in den Host-Club

Die Abende mit Arbeitskollegen im Kreise attraktiver Mietbegleitung zu verbringen, ist Teil moderner Lebenskultur erfolgreicher Geschäftsleute in Ostasien. Hostessen und ihre männlichen Vertreter, die Hosts, werden zwar zum Mizushobai, dem japanischen Rotlichtmillieu, gezählt, sind aber ebenso wie ihre klassischen Vorläufer – die Geisha –  ausschließlich zur Unterhaltung gebucht. Hostess zündet Zigaretten an, fülllt die Gläser nach und prostet an, lacht über tumbe Witzeleien und applaudiert den ins Mikro geträllerten Karaokesongs ihrer Gäste. Kurz: Sie  gibt den Kunden das Gefühl, heute Abend mal Mr. Sex  zu sein.

 

Frustsaufen mit Mama-san

Wer sich lieber den Frust von der Seele reden möchte, geht im Hostclub an die Theke zu Mama-san, die eine Art Bardame und Seelenklempnerin für japanische Geschäftsmänner ist. Eine Mama-san hat immer ein offenes Ohr für den Ärger mit dem Chef oder die schlechten Noten der Kindern. Die eigene Frau bei Problemen mit einzubeziehen fällt vielen japanischen Männern schwer – lieber holt man sich Rat von Dritten, die ein Geheimnis für sich bewahren können.

 

Einmal Instantpartner Musashi, bitte!

Die männliche Variante der Begleitdamen, die Hosts, sind Seelsorger und Spasskanone in einer Person. Die meist androgynen Jünglinge mit poppigen Frisuren und guter, eng ansitzender Kleidung sehen aus, als wären sie den Seiten eines Mädchen-Manga entssprungen. Sie mimen den perfekten Flirt, Partner oder Partykumpel: Immer charmant, immer ein offenes Ohr für Probleme und immer gut drauf. Vor dem Betreten des Host-Clubs wählt man einen der Jungs aus dem hausseigenen Katalog aus.

Ihre Namen sind Geschichts-Helden oder Pop-Stars entlehnt und geben den Kundinnen Aufschluss über den verkörperten Charakter. Zum Beispiel ist Musashi ein aufbrausendes Temperamentbündel, während Hattori geheimnisvoll und Basho eher schöngeistig ist. Verstehen sich Kundin und Host miteinander, werden Nummern ausgetauscht, SMS geschrieben und kleine Geschenke verschickt – wie bei einen Flirt halt. Viele Ehefrauen holen sich bei einem Host all das, was ihr Partner ihnen nicht geben kann oder will –  meistens einfach nur einen Menschen, der ihnen zuhören kann. Auch junge Karrierefrauen, die keine Zeit in eine ernsthafte Partnerschaft oder Freundschaftspflege stecken wollen, greifen auf diese unkomplizierten, aber kostspieligen, Instant-Beziehungen zurück.

 

Heiratsschwindel auf Bestellung

Prostitution ist in Japan verboten – übrigens ein Moralbeitrag der Besatzer aus den USA. Das Vergnügungsgewerbe hat allerdings unendlich viele – teils echt kuriose – Umwege gefunden, damit jeder Nachtschwärmer auf seine Kosten kommt.

Ihr Geld verdienen Hosts und Hostessen über die Bestellungen der Kunden im Club. Snacks, Alkohol und kleine Entertainment-Einlagen kosten dort Unsummen. Je höher die Rechnung für den Kunden, desto höher die Prämien. Herr Keiichi, der heute mehrere Host-Clubs in Osaka leitet, verdiente in seinen besten Zeiten etwa 160.000 US Dollar monatlich. Dazu kommen häufig noch private Extrazuwendungen: Teure Armbanduhren, Anzüge,  gemietete Apartments oder gleich ein Auto. Das Gefühl zu vermitteln, kurz vor dem Durchbruch zu stehen – kurz davor zu sein, dass der tolle Mietpartner sich auch verliebt –  ist die hohe Kunst des Gigolo-Daseins. Schon alleine deshalb sollte ein Host davon absehen, Sex mit den Kunden zu haben.

„Die meisten kommen danach nicht mehr wieder, geben keine Drinks mehr aus – die goldene Gans ist dann geschlachtet.“

(Gert Anhalt in der Dokureihe „Es muss nicht immer Sushi sein“)

 

Traumgehälter nur für die Besten

 Der erste Host-Club eröffnete 1966 in Tokio. Heute schießen sie wie Pilze aus dem Boden, während die Geisha kaum noch Auszubildende finden. Das liegt wohl auch daran, dass eine Geisha den Weg ins Vergnügungsgewerbe bewusst einschlagen muss, ihre Familie in jungen Jahren (traditionell mit sechs Jahren, sechs Monaten und secht Tagen) verläßt, um eine knallharte Ausbildung zu beginnen. Hosts dagegen sind fast immer gescheiterte Glücksjäger, die über den Quereinstieg an das große Geld kommen wollen.
Der Konsumanspruch der Japaner ist seit dem Wirtschaftsboom in den 60 ern immer weiter gestiegen, obwohl der japanische Finanzmarkt in den vergangenen 20 Jahren gleich zweimal in sich zusammengebrochen ist. Arbeitsmarktsitiuation und Karrierechancen für junge Leute sind katastrophal – ein Uni-Abschluss schon längst kein sicheres Ticket mehr zu Glück und Wohlstand. Schulden, mangelnde berufliche Perspektiven oder die Suche nach einem sozialen Umfeld sind daher auch die Hauptgründe, für den Eintritt ins Host-Club-Geschäft

Reich wird dort allerdings kaum einer. Das Grundgehalt ist mehr als bescheiden – zu Geld kommt nur, wer die Spendierfreude seiner Kunden bis zum Exzess antreibt. Wer ein paar schlechte Abende hat, kann dann auch mal mit einen Mini-Jobber Gehalt am Monatsende dastehen. In einigen Host-Clubs zahlen die jungen Männer sogar Strafe, wenn sie keine Buchungen vorweisen können. Viele Hosts wie Hostessen leiden zudem unter Depressionen, Schlafmangel und den täglichen Alkohol-Exzessen. Wer nicht in ein paar guten Jahren viel Geld macht, hat die Chance vertan. Die Arbeitszeiten von Sonneruntergang bis Sonnenaufgang machen es außerdem unmöglich, sich einen Freundeskreis jenseits des Mizushobai aufzubauen. Es klingt geradezu paradox, dass aus diesem Grund viele junge Frauen und Männer der Branche ihr Gehalt ebenfalls in Host-Clubs auf den Kopf hauen – bei ihren Scheinfreunden und Wunschpartnern.

(Doku: Jungs aus Osaka erzählen, warum sie Host geworden sind (Japanisch mit englischen Untertiteln)
Das Ansehen gerade von Hostessen ist aber nach wie vor erstaunlich gut. Gut 22 Prozent der japanischen Oberschülerinnen können sich vorstellen, später einmal in dem Bereich Karriere zu machen. Für die meisten Mädchen sind die Begleitdamen so etwas wie Pop-Idole oder Prinzessinnen, die sich in einer glamourösen Luxuswelt bewegen, sehr schnell sehr viel Geld verdienen und interessante, einflußreiche Menschen treffen, von denen sie bewundert werden.

 

Sind Geisha nicht mehr zeitgemäß?

Wie alles traditionelle in Japan bangen auch die Geisha um ihre Existenz. Die Ausgehgewohnheiten der modernen Japaner haben sich geändert, die Vergnügungsindustrie hat Japans lebenden Nationalsymbolen eine zeitgemäße Konkurrenz an die Seite gestellt. Als Folge bleiben in den Geisha-Schulen die Anwärterinnen aus. Natürlich wird es Japans Stilikonen immer geben, wie es auch  immer noch traditionelle Ama-Perlentaucherinnen oder Samurai-Schwertschmiede gibt. Aber die große Zeit der Geisha ist vorbei und immer seltener werden diese Schönheiten abends durch die Straßen huschten. Dort stehen nun fleischgewordene Manga-Schönheiten und planen ihren Verabredungsmarathon per Mobiltelefon.

Denn Träume von Glück und Liebe, wie sie sie verkaufen, sind gefragter denn je.   (Gert Anhalt)

 

Noch mehr Hosts und Geisha

Zum Thema Geisha fällt mir nur ein recht naheliegenden Lesetipp ein: „Die wahre Geschichte der Geisha“ von Iwasaki Mineko. Ist die Lebensgeschichte der Autorin und lohnt sich in jedem Fall zu lesen.

Dokus und Reportagen über Japans neue Begleitservice gibt es auf youtube: „Tokyo Hostesses“ von nytimes.com; „Why I became a Gigolo“ ; „Rent a Boyfriend in Japan“ von  Metropolis web-tv.

Tolle Fotoserien über Hosts und Nachtleben hat Manabu Numata herausgebracht. Mehr über seine Arbeit:  Gibt’s hier!

Wer selber mal sein Gigolo-Glück ausprobieren mag sollte sich die Playstation 2 und  3 Gangster-Videospielserie Yakuza geben. Triff dich in einer Hostessen Bar mit einem Mädchen deiner Wahl und schau, wie schnell dein hart Verdientes verschwindet. Bei Yakuza 2 kann man sogar selbst als Host Arbeiten.

Einen tollen Blog Artikel zu Host-Dates in Video-Spielen gibt es hier.

Und zuletzt ein Musikvideo von Hosts, die in Japan zu Superstars wurden. Die Songs der Hipcats vom Club „SMILEY*2“ gibt’s auch zu kaufen.

Bildquellen:

Titelbild: Teezeremonie: Foto by lukas braun – tanukismash.de.

Lexikon

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A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  U  V  W  Y  Z

A:

Ainu sind nicht die Ureinwohner Japans. Vor etwa 20.000 Jahren wanderten sie von Altrussland über Zentralasien aus ein und entwickelten sich parallel zu den eigentlichen Japanern. Heute sind sie eine diskriminierte Minderheit und leben in Reservaten im Norden Japans.

Anime sind japanische Trickfilme oder Serien. Sie sind häufig Adaptionen gleichnamiger Manga oder Videospiele. Der Begriff stammt aus dem Englischen und ist eine Kurzform von für Japanese Animation. Weltweit, auch in Japan, hat sich dann dieser Begriff durchgesetzt.

Animegao, das Trickfilmgesicht, ist ein Cosplay-Hobby-Schauspieler, der sich mit fleischfarbenem Ganzkörperanzug und Puppengesicht möglichst originalgetreu als Anime-Figur verkleidet und deren Rolle verkörpert. Teil der japanischen Otaku-Nerd-Kultur.

Ashio oder Ashiodozan ist eine Geisterstadt in der Präfektur Toshigi. Das Betreten der kompletten Stadt, samt Kupferraffinerie und Bahnhof, ist auf eigene Verantwortung erlaubt.

Asimo heißt die humanoide Roboterreihe der Forschungsabteilung von Honda. Der Name ist eine Anlehnung an den Science-Fiction Autor Isaac Asimov. Die neueren Modelle sehen aus wie Kinder im Astronautenanzug und können perfekt rennen oder die Treppen heraufsteigen.

B:

Bakemono 化け物 sind Wandelwesen in japanischen Fabeln und Spukgeschichten. Dort spielen sie den Menschen Streiche, indem sie ihre Gestalt wechseln. Populäre Bakemono sind der Kappa, der Tanuki, die Nekomata oder der Fuchsgeist Kitsune.

Bakeneko 化け猫 ist ein Wandelwesen in Katzengestalt – auch Nekomata genannt. Sie können Tote kontrollieren und Feuer spucken. Eine Variante sind Vampirkatzen, die ihre Opfer erst aussaugen und dann in deren Rolle schlüpfen, um sich weiteren Menschen zu nähern.

Bakuto sind die Vorläufer der Yakuza, Japans Verbrechensyndikate. In der Edo-Zeit (1603 bis 1868) arbeiteten sie als Groupiers oder eher staaliche Falschspieler, um den Infrastrukturausbau des Landes zu finanzieren.

Bodisattva ist eine Erlösergestalt im japanischen Mahayana-Buddhismus. Obwohl sie die Erleuchtung bereits erreicht haben, wandeln sie zwischen den Welten. Ihr Mitleid bindet sie an die Sterblichen, die sie ebenfalls in die Erlösung führen wollen. Populäre Bodisattva sind Kannon und Jizo.

C:

Chahakobi Karakuri ist einRobotervorläufer aus dem 17. Jahrhundert. Der etwa 40 cm hohe Automat aus Holz und Walknochen kann Tee servieren. Bauanleitungen stammen aus dem Karakurizui, einer „ Abhandlung über Automaten“ von Hosokawa Hanzô aus dem Jahr 1796.

Chankonanbe ist ein spezielles Gericht, mit dem Sumo-Ringer Gewicht zulegen. Die Profisportler nehmen täglich Unmengen dieser kalorien- und proteinreichen Mahlzeit zu sich.

Cosplay ist ein Jugendtrend, der seinen Ursprung in Tokios sehen-und-gesehen-werden-Viertel Akihabara hat. Cosplayer treffen sich dort in selbst geschneiderten Kostümen von Manga- und Computerspiel-Charakteren, um Szenen ihrer Lieblingsserien nachzuspielen.

D:

Datsueba 奪衣婆 ist eine weibliche Höllengestalt der japanischen Mythologie. Nachdem Verstorbene den Fluss zum Totenreich durchschwommen haben, wiegt jene uralte Frau die nasse Kleidung. Je sündiger das Leben war, desto schwerer die Wäsche und desto härter die Strafe.

Dōgu,土偶 sind Mutterkult-Figuren und Fetische aus der japanischen Steinzeit, der Jōmon-Zeit (etwa 9.000 bis 300 vor Chr.).

E:

Emishi sind die Nachkommen der Ainu-Stämme, die seit der Kofun-Zeit (etwa 300 nach Chr.) als berittene Söldner für japanische Fürsten kämpften. Später fielen sie in Ungnade und wurden in den Norden zurückgedrängt. Prinz Ashitaka aus Ghiblis „Prinzessin Mononoke“ ist übrigens ein Emishi.

Emma O 魔王 ist der Höllenherrscher im buddhistischen Glauben. Er entscheidet, in welche Jenseitswelt Verstorbene wiedergeboren werden oder welche Höllenqualen auf Sünder warten. Er trägt die Kleidung eines chinesischen Beamten, hat riesige Augen, rote Haut und und einen langen Schnurrbart.

F:

Fujisan 士山. Der fast vollkommen symmetrische Vulkankegel ist mit 3776 Metern der höchste Berg Japans und das wohl beliebteste Motiv der dortigen Dicht- und Bilderkunst. Die meiste Zeit des Jahres ist sein Gipfel mit Schnee bedeckt. Besteigen darf man ihn vom 1. Juli bis zum 31. August.

G:

Geisha 芸者 sind keine Prostituierten, sondern Japans traditioneller Begleitservice – früher vor allem für reiche Kauf- und Edelleute. Anders als bei einer Hostess stehen die künstlerischen Fertigkeiten einer Geisha – Musik, Tanz und Teezeremonie – im Mittelpunkt des Abendprogramms.

Geisha-Girls nannten sich die Freudenmädchen der US-Besatzungstruppen, die Kleidungs- und Schminkstil der Geisha nachahmten, um ihren ausländischen Kunden etwas besonderes exotisches zu bieten.

Gaki  餓鬼  sind Hungergeister und eine der möglichen sechs Reinkarnationsformen im japanischen Buddhismus. Gaki haben immer Hunger, können aber nie satt werden. Wasser und Nahrung verwandeln sich in Feuer und Exkremente: Die gerechte Strafe für Geiz und Maßlosigkeit zu Lebzeiten.

Gakuran  学ラン ist die klassische japanische Schuluniform für Jungs. Die Kleidung ist preußischen Uniformen nachempfunden. Sie besteht aus einer schirmlosen Kappe, langen Hosen und einer Jacke mit Stehkragen und doppelter Knopfreihe.

Gashadokoro, der Klapperschädel – auch Odokuro – gehört zu den Yokai. Die Knochen verstorbener Krieger fügen sich zu einem gigantischen Skelett zusammen und beginnen die Überlebenden auf dem freien Feld heimzusuchen.

Golden Weeks: Diese Urlaubswochen liegen in der beliebtesten Jahreszeit, mit zuverlässig gutem Wetter aber noch nicht zu hohen Temperaturen. In dieser Zeit wird die japanische Arbeiterschaft geschlossen in den Urlaub entlassen.

Gunkanjima (siehe Hashima)

H:

HAL 5 Power-Suit ist ein Ganzkörper-Roboteranzug der japanischen Firma Cyberdyne. Er unterstützt schwache Gelenke indem er die Hirnströme seines Trägers misst und in Bewegung umsetzt.

Haikyoing bedeutet Ruinen erforschen. Geisterstädte, verlassene Freizeitparks und Industriebrache locken immer mehr Urban-Explorer in die Sperrgebiete Japans. Im Internet veröffentlichen sie Berichte ihrer Ausflüge.

Hanadaka-Tengu ( 鼻高天狗 ) sind Yokai-Fabelwesen. Diese weißbärtigen Langnasen-Tengu führen in Legenden oft Gruppen von Krähen-Tengu an. Zu ihren Zaubertechniken gehört das Beschwören von Stürmen und das Verschwinden in einem Blätterwirbel.

Hashima ist eine Geisterinsel vor der Küste Nagasakis. Die ehemalige Kupfermine war einst einer der dicht besiedelsten Gebiete der Welt. Heute kann man Touristentouren in die Ruinenstadt buchen.

Hikikomori sind Jugendliche oder junge Erwachsene, die sich oft für Jahrzehnte in ihrem Zimmer einsperren. Gründe für den Rückzug aus der Gesellschaft sind Mobbing, Karrieredruck oder auch Rebellion gegen die Eltern. Die Hikikomori sind ein modernes Phänomen in vielen asiatischen Industriestaaten.

Hosts sind männliche Hostessen. Sie gehören zum Mizushobai, also zum japanischen Rotlichtmillieu. Ebenso wie ihre klassischen Vorläufer – die Geisha – werden sie aber ausschließlich zur Unterhaltung gebucht – meisten in eigens dafür eröffneten Host-Clubs.

Hyakku Monogatari sind Sammelbände gruseliger Volkserzählungen. Der Name geht auf eine Geisterbeschwörungspraxis zurück, bei der hundert Gespenstergeschichten erzählt werden, an deren Ende jeweils eine von hundert Kerzen gelöscht wird. Die erwünschte Geistergestalt erscheint, sobald es dunkel ist.

I:

Irezumi sind japanische Tattoos. Von Hand wird die Farbe (Zumi) unter die Haut gestochen (ire). Klassische Motive sind Heiligenbilder, Natur- und Holzschnittmotive umgeben von großen schwarzen Flächen. Mitglieder der Yakuza verzieren auf diese Weise seit je her ihren Körper.

Ijime wird eine extreme Form des Mobbings in japanischen Schulen genannt.

J:

Jōmon-Zeit 縄文 ist die Periode des japanischen Altertums – etwa 9000 v. Chr bis 300 v.Chr. Die Jōmon-Menschen waren Jäger und Sammler. Benannt ist die Kultur nach ihrer besonderen Keramikverzierung durch Schnurbandmuster.

Juku sind japanische Paukschulen. Die wirklich knallharten Aufnahmeprüfungen an Privatschulen und Universitäten entscheiden, ob ein Kind später einmal eine Bilderbuchkarriere hinlegt. Die Juku bereiten Schüler nach dem regulären Unterricht für den Prüfungsernstfall vor.

K:

Kaizoku 海賊heisst soviel wie Meeressippen und waren Piraten der japanischen Inlandssee. Von Händlern verlangten sie Durchfahrtzölle oder boten Eskortservice. Fischerdörfer konnten Plünderungen nur durch Schutzgeld abwenden. Im Krieg unterstützten sie reiche Fürsten durch Seeblockaden.

Kappa 河童 iste ein schilkrötenartiger Wasserkobold japanischer Fabeln. Er gehört zu den Wandelwesen und nimmt die Gestalt von Menschen an, um diese in die Falle zu locken und aufzufressen.

Kappamaki  河童巻 Gurken in Sushireis und Nori-Algenblätter eingerollt. Benannt nach den grünhäutigen Kappa-Wasserkobolden aus japanischen Fabeln. Deren Leibspeise sind angeblich Gurken – und Menschenfleisch.

Kapsel-Hotels  カプセルホテル sind eine günstige Übernachtungsmöglichkeit in japanischen Großstädten. In aneinander und übereinander aufgereihten Schlafwaben finden Reisende ein drei Kubikmeter-Reich mit Matratze, Radiowecker, Fernseher und Pornokanal.

Karakuri nennt man die Vorläufer japanischer Roboter, die bereits seit dem 17. Jahrhundert konstruiert wurden. Die Automaten aus Walknochen und Holz waren noch wenig funktional und eher zur Unterhaltung gedacht.

Karakuri Zui „ Abhandlung über Automaten“ von Hosokawa Hanzô aus dem Jahr 1796. Das Werk enthält Bauanleitungen zu neun Karakuri-Modellen.

Karasu-Tengu sind geflügelte Yokai-Fabelwesen. Die Gesichter der Krähen-Tengu ähneln denen sind die von Hunden oder Raubvögeln. Sie tragen die Kleidung von Yamabushi-Bergasketen. Außerdem gelten sie als Meister der Schwertkunst.

Kawaii ist ein Modebegriff der jüngeren Generationen für cooles, schönes, niedliches, charmantes, nettes, liebens- oder begehrenswertes. Seit den frühen 70er Jahren hat sich die kindliche Vorliebe für Dinge, die Kawaii sind, zu einem gesellschaftsübergreifenden Lebensgefühl entwickelt.

Kigurumi 着ぐるみ ist eine Variante des Cosplay bei der sich Jugendliche in ausgepolsterte Ganzkörperkostüme zwängen, die meistens Tieren, Monstern oder Anime-Figuren nachempfunden sind. Kiru bedeutet, sich mit etwas kleiden. Und negurumi sind Stofftiere.

Kitsune 狐 ist ein Bakemono-Wandelwesen in Fuchsgestalt. Er führt in Fabeln gerne Reisende an der Nase herum. Über die Fingernägel kann er in den Körper seiner Opfer fahren, um diese zu kontrollieren.

Kitsunetsuki 狐付き. Im japanischen Mittelalter wurde Geisteskranken, Alten und unliebsamen Frauen nachgesagt von Fuchsgeistern besessen zu sein. Den Familien eines solchen Kitsunetsuki haftete über Generationen ein unauslöschlicher Makel an.

Kuchisake Onna ist der Rachegeist einer Frau, die zu Lebzeiten entstellt wurde. In nebeligen Nächten spricht sie vermummt Passanten an und fragt, ob diese sie attraktiv finden. Wer ihr ein Kompliment macht, dem zeigt sie ihr zerschnittenes Gesicht und schneidet ihm die Kehle durch.

L:

Love-Hotels ( rabu-hoteru ラブホテル) sind Stundenhotels mit Motto-Einrichtung für junge Päarchen und reisende Sparfüchse.

M:

Machi Yakko, waren herrenlose Samurai, die sich zu Dorfbeschützergruppen zusammen, um Banditen und Plünderer zurückzuschlagen. Diese Volkshelden werden bis heute in Liedern und Theaterstücken gefeiert.

Maiko 舞子ist eine Geisha-Auszubildende. Wörtlich heißt sie Tanzmädchen.

Mama-san ist Bardame und Ersatz-Seelenklempnerin für japanische Geschäftsmänner in japanischen Hostclubs.

Manga 漫画 wird Japans Literatur in Comic-Form genannt. Fast ein Drittel aller Druckerzeugnisse des Landes werden bebildert veröffentlicht. Thema eines Manga kann alles sein – Riesenroboterkrieg, Kochtipps, Erste Liebe, Horror, Pornographie oder Angestelltenalltag.

Manga-Kissaten 漫画 喫茶店.ist eine Mischung aus Internet-Café und Comic-Bücherei. Außerdem sind Manga-Cafés der König unter den günstigen Schlafquartieren. In den mietbaren Schlafkabinen gibt es ein Waschbecken, Sessel oder Futon-Matratze und einem Rechner mit Flatrate.

Mecha oder auch Mechs sind von Menschen gesteuerte Roboter-Vehikel und mechanische Kampfanzüge. Es gibt sie allen Größen und Formen. Manche sind klein wie Insekten andere schwer bewaffnete rollende Festungen.

Mecha-Anime: Dieses Trickfilm- und Manga-Genre umfasst Science-Fiction-Geschichten, in denen sich alles um Kampfroboter oder Roboteranzüge dreht. Man unterscheidet zwischen den Sūpā Robotto-Geschichten und den später entstandenen Rearu-Robotto-Filmen.

Miyamoto Shigeru ist der Chef-Designer von Nintendo, Erfinder der Jump’n’Run-Spiele und des Gamepads, der geistige Vater von Super Mario, Zelda, Donkey Kong und Starfox.

N:

Ninja waren die Geheimdienstler der Fürsten im japanischen Mittelalter. Spionieren, Infiltrieren, Diebstähle, Giftmorde – all die Dinge, für die die ehrenhaften Samurai-Krieger nicht infrage kamen, übernahmen die Ninja.

Nekomata: (siehe Bakeneko)

O:

Oiran 花魁 Prostituierte aus den Vergnügungsvierteln der Edo-Zeit (1603 bis 1867).

Oiwa ist der Yuurei-Rachegeist einer klassischen Spukgeschichte, der seit Jahrhunderten Bühnen und Filmsets heimsuchen soll. Um die Aufführung ihrer tragischen Leidensgeschichte „Yotsuya Kaidan“ zu verhindern, sabotiert sie die Vorstellungen und Proben.

Okiku ist der Rachegeist aus der Rakugo-Geschichte „Das Tellerhaus von Harima“, der angeblich im Himeji Schloßgarten spukt. Nachts steigt sie aus dem Brunnen, in dem ihre Leiche einst entsorgt wurde und erschreckt abenteuerliche Besucher zu Tode.

Osarizawa, eine verlassene Kupfermine in der Nähe der Stadt Kazuno/Präfektur Akita. Für Touristen gibt’s dort ein Bergbaumuseum, für Urban Explorerstadt mit leuchtendblauen Pool vor einer tempelartigen Anlage .

Otaku sind japanische Jugendliche, die den Großteil ihrer Zeit mit nerdigen Hobbys wie Comics, Cosplay, Fanzines schreiben, Filmen oder Videospielen verbringen. Was in den 80ern die Bezeichnung für eine Handvoll männlicher Außenseiter war, trifft heute beinahe auf eine ganze Generation zu.

Ouendan 応援sind männliche Cheerleader-Gruppen. Bei Sportereignissen stimmen sie die Zuschauer mit ausgeklügelte Choreographien und Orchestermusik auf den Wettkampf ein. Solche Gruppen gibt es vor allem an Schulen und Universitäten.

P:

Pachinko: Flipper ähnlicher Spielautomat mit hohem Suchtpotential. Wer erfolgreich zockt erhält Extrakugeln, die er für weitere Spiele verwenden oder gegen Preise eintauschen kann. Pachinko ist eine wichtige Einnahmequelle der Yakuza.

R:

Radio-Taisō ラジオ体操 ist ein Gymnastik-Workout, an dem seit den 20er Jahren etwa 20 Prozent der Japaner täglich teilnehmen – ob in Büroräumen, auf Schulhöfen, in städtischen Grünanlagen oder auf den Parkplätzen der Fabriken.

Raiden Tamaemon (1762-1825): Legendärer Sumo-Ringer mit zweifelhaftem Ruf. Er galt als unbesiegbar, es sei denn er stieg noch betrunken vom Vorabend in den Ring.

Rearu-Robotto ist ein Untergenre der Riesenroboter-Anime. In diesen SF-Geschichten wird ein besonderer Wert auf realistische Dramaturgie gelegt – heißt, die Roboter lernen nicht zu lieben und die Munition kann mal ausgehen. Beliebte Serien sind Macross, Gundam und Evangelion.

Ryokan 旅館 ist ein Reisegasthaus im traditionell japanischen Stil. Die Einrichtung der Zimmer, zur Verfügung gestellte Hausschuhe und Yukata-Männerkimonos, die Badebereiche sowie die Verpflegung sind ebenfalls landestypisch.

S:

Shinobi: (siehe Ninja)

Shintô 神道 oder der Shintoismus gilt als japanische Urreligion. Der Begriff umfasst aber eher das Sammelsurium an natur- und ahnenverehrenden Lokalkulten. Shinto-Gottheiten sind die Kami, diesich in Form von Wäldern, Steinen, Bergen, Flüssen und Tieren manifestieren.

Sumôtôri: Japanische Bezeichnung für einen Sumo-Ringer.

T:

Tanuki 狸 ist ein gefräßiger dachsartiger Marderhund der japanischen Bauern das Leben schwer macht. In Fabeln gehört er zu den Wandelwesen und nimmt die Gestalt von Menschen an, um fleischlicher Lust und Alkohol-Exzessen zu frönen. Geheimwaffe sind seine Riesenhoden.

Tengu 天狗, wörtlich Himmelshunde, sind geflügelte Fabelwesen japanischer Mythen. Man unterscheidet die Hanadaka-Tengu und Karasu-Tengu.Ihren Ursprung haben sie wahrscheinlich in der indischen Sagenwelt beim Garuda, dem geflügelten Reittier Visnus.

Toire no Hanakoトイレの花子 ist ein moderner Gespenster-Mythos. Die Toiletten-Hanako spukt in Schulen, im dritten Stock in der dritten Kabine der Mädchentoilette. Wer den Zorn der Hanako heraufbeschwört wird an Örtchen und Stelle erwürgt.

Tsukunogami 付喪神sind verwunschene Gegenstände – Regenschirme, Möbelstücke, Schiebetüren oder Musikinstrumente – die in Spukgeschichten zum Leben erwachen und zu spuken beginnen, um sich an ihren nachlässigen Besitzern zu rächen.

W:

Wakō 和寇waren japanische Piraten-Banden, die seit dem 13. Jahrhundert von Nordkyuushuu aus die Küstenregionen des gelben Meeres heimsuchten. Wakō bedeutet Plünderer aus dem Land Wa (alte Bezeichnung für Japan bei Chinesen und Koreanern).

Washitsu 和室 ist das traditionell eingerichtete Wohn- oder Gästezimmer in japanischen Häusern. Neben Tatami-Reisstroh-Bodenmatten und Shoji-Schiebetüren gehört eine Tokonoma-Schmucknische samt Bildrolle oder Blumengesteck in ein solches Zimmer.

X:

Xavier, Franz: Jesuitenpater und Wegbereiter des Christentums in Japan.

Y:

Yakuza werden  ihrer komplexen Bandenstruktur auch als japanische Mafia bezeichnet. Drei große Gruppen beherrschen heute die Unterwelt: Die Yamaguchi aus Kansai, die Sumiyoshi und die Inagawa aus der Umgebung von Tokyo .

Yamato Nadeshiko 大和撫子 ist eine klassische Schönheit, eine Idealfrau nach japanischem Verständnis. Auch die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen wurde mit diesem schmeichelhaften Spitznamen versehen.Yamato ist eine veraltete Bezeichnung für Japan. Nadeshiko Nelke.

Yatagarasu 八咫烏 ist die dreibeinige Krähe auf dem Trikot der japanischen Fußball-Nationalmannschaft . Der Legende nach hat sie dem ersten Kaiser der Tenno-Familie bei der Eroberung Japans geholfen oder die Zerstörung der Sonne verhindert.

Yayoi-Zeit 弥生 ist eine Periode des japanischen Altertums (etwa 300 v. bis 300 n. Chr.), benannt nach dem Tokioter Stadtteil, wo erstmalig Funde dieser Kultur ausgegraben wurden. Die Yayoi waren ostasiatische Einwanderer, die Naßreisanbau und Bronzeherstellung nach Japan brachten.

Yokai sind Monster, Spuk und Gruselgestalten im japanischen Volksglauben. Zu ihnen gehören auch die gestaltenwandelnden Tiere, die Bakemono.

Yokoyama Mitsuteru (1934 bis 2004) gilt als Urvater des Sūpā Robotto-(Superroboter) Manga und dem daraus entstandenen Mecha-Anime-Genre. Bereits 1954 veröffentlichte der Shonen Jump-Verlag die Abenteuer des Tetsujin 28 Gou (Eisenmann Nr. 28).

Yokuzuna ist der höchste Grad eines professionellen Sumo. Er entspricht rituell, körperlich und vom Herzen her dem shintoistischen Ideal der Reinheit und nimmt deshalb an bestimmten Schreinritualen die zentrale Rolle ein.

Yubitsume 指詰め, die Selbstamputation eines Fingergliedes, war ursprünglich ein Liebesbeweis von Konkubinen. Später übernahmen die Yakuza diesen Ritus. Als Geste der Entschuldigung wird eine Fingerkuppe mit Messer oder Meißel abgetrennt und in einem Taschentuch überreicht.

Yūrei 幽霊 sind Rachegeister von Verstorbenen, denen im Leben Unrecht widerfahren ist. Sie sind meist weiblich, gekleidet in weiße Totengewänder, tragen ihr langes schwarzes Haar strähnig ins Gesicht hängend und ihre Hände baumeln wie ausgerenkt von ihren Handgelenken.